Interview mit Daniel Schafer, CEO ewb

Daniel Schafer, Vizepräsident der Swisspower AG und CEO von Energie Wasser Bern, berichtet über Innovationen und Veränderungen in der Stadtwerke-Landschaft Schweiz.

Herr Schafer, wenn Sie der schweizerischen Energiewirtschaft eine Note von 1 bis 5 für ihre bisherige Innovationsfreudigkeit geben müssten, welche Note würden Sie vergeben?

Wenn wir von der gesamten Schweizerischen Energiewirtschaft sprechen und 1 die schlechteste Note ist, würde ich gerade mal eine 2 geben. Es läuft vieles nicht, wie es sollte. Wenn ich nur die Stadtwerke betrachte, dann würde ich eine knapp üngenügende Note geben; eine 3.5. Denn ich bin der Überzeugung, dass die Stadtwerke einerseits viel mehr in Innovation investieren sollten, aber andererseits auch diejenigen sein werden, welche die Energiewende vorwärts treiben und neue Ideen auf den Boden bringen.

Was wünschen Sie sich als CEO eines Stadtwerks von der gesamten Energiewirtschaft? 

Als selber produzierendes Werk befinden wir uns in einer Situation, in der es aufgrund der tiefen Energiepreise schwierig ist, eine Marge zu generieren und Geld zu verdienen. Gleichzeitig kommen wir aus einer Zeit, in der das Geldverdienen „automatisch“ passiert ist, ohne dass wir uns einem hohen Kostendruck aussetzen mussten. Aufgrund dieser Situation investiert im Moment kaum jemand und es besteht eine sehr kleine Risikobereitschaft. Hält dieses Investitionklima an, wird sich die Lage in unserem Sektor weiter zuspitzen.

Das heisst, man sollte trotz bestehender Unsicherheit investieren? 

Genau. Wir haben gar kein Alternative. Wir können nicht auf eine Politik warten, die nicht recht weiss, welche Rahmenbedingungen sie uns geben will. Wichtig ist, dass wir uns weiter verändern. Die Energiewirtschaft von morgen wird nicht diejenige von heute sein.

ewb betreibt die Energiezentrale Forsthaus; ein Beispiel für Investitionen in erneurebare  Energieproduktion. Können Sie weitere Beispiele von ewb nennen? 

Ein weiteres Beispiel ist die Beteiligung von ewb an der Geo-Energie Suisse AG. Mit dieser Beteiligung wollen wir die Tiefengeothermie in der Schweiz weiterentwickeln. Aktuell stellen sich jedoch noch Finanzierungsfragen, die wir mit den anderen Aktionären lösen wollen.

Auch in der Technologie Power to Gas verfolgen wir Projekte. Wir stehen hier aber ebenfalls vor Finanzierugsproblemen. Wenn der Umbau des Energiesystems weiter vorankommen soll, dann müssen Energieversorger gemeinsam mit dem Bund, den Kantonen und Städten Geld in die Hand nehmen.  Bei einem Projekt wie der Energiewende muss man dranbleiben und partnerschaftlich zusammenarbeiten.

Wie bewerten Sie den Stand der schweizerischen Energiestrategie? Taugt diese Strategie als Weg in die Zukunft?

Eine Strategie ist ein Wegweiser in die Zukunft. Und dieser Wegweiser sollte eine gewisse Stabilität und Orienierung vermitteln. Das gilt besonders für den Energiesekor. Denn unsere Investitionen haben langfristigen Charakter – teilweise mehrere Jahrzehnte. Es ist jedoch auch zu bedenken, dass eine Strategie, die Ziele bis ins Jahre 2050 beinhaltet, im Laufe der Zeit noch einige Male verändert werden wird.

Die Energiestrategie 2050 des Bundes ist vergleichbar mit dem Energierichtplan der Stadt Bern. Darin verankert sind politische Vorgaben für die Energieversorgung auf dem Stadtgebiet bis ins Jahr 2035. Diese Ziele sind einereits mit hohen Investitionen verbunden, für die Geld da sei muss. Andererseits können solche Ziele nur erreicht werden, wenn die Energeikonsumenten – unsere Kundinnen und Kunden – von uns überzeugt werden können, ihren Energieverbrauch noch effizienter und noch erneuerbarer zu machen. Ich unterstütze deshalb die Eneriestrategie des Bundes aktiv.

Bietet der geplante und stattfindende Umbau des Energiesystems Chancen für die Swisspower Stadtwerke? Oder werden die Stadtwerke die Verierer sein?

Ich glaube nicht, dass die Stadtwerke zu den Verlierern der Energiewende zählen werden. Eher das Gegenteil wird der Fall sein. Der Umbau des Energiesystems bietet für Stadtwerke grosse Chancen, weil sie Strukturen haben, die eine schnelle Anpassung ermöglichen. Stadtwerke sind häufig Querverbundunternehmen und haben eine Gesamtenergiesicht. Das bietet den Vorteil, dass nicht nur eine, sondern mehrere Optionen zur Energieproduktion genutzt werden können. Zudem stehen die Stadtwerke im direkten Kundenkontakt.

Schwierigkeiten haben Stadtwerke heute bei grösseren Investitionen. Ein einzelnes Stadtwerk ist oft nicht in der Lage, grosse Investitionen selbst zu tätigen. Entscheidend ist in solchen Fällen, dass Stadtwerke gemeinsam investieren, zusammenstehen und ihre Kräfte bündeln. Vor diesem Hintergrund ist Swisspower eine wichtige Plattform. Hier werden immer wieder sinnvolle Kooperationen initiiert. Doch genau an diesem Punkt scheitern auch manche Projekte. Gemeinsame Investitionen erfordern Kompromisse. Der Leidensdruck scheint mir im Moment noch nicht hoch genug zu sein, um notwendige Investitionen gemeinsam zu tragen.

Welchen Stellenwert hat der Swisspower Masterplan für die Stadtwerke? 

Ich sehe den Masterplan als eine Zielsetzung, damit alle Partner durch ihre eigenen Massnahmen einen Beitrag zur Energiewende leisten. Die Partner müssen jedoch nicht jedes der Ziele zu 100% umsetzen. Der Masterplan umfasst vier Tätigkeitsfelder. Einige der Partner werden beispielsweise im Feld Infrastruktur mehr tun, anderen im Feld Beschaffung und Produktion. Wichtig ist, dass man gemeinsam vorwärts kommt.

In diesem Zusammenhang wünsche ich mir, dass Innovationen und neue Lösungen, die im Rahmen des Masterplans entstehen, dann auch innerhalb des Partner-Kreises geteilt, angewendet und entsprechend genutzt werden. Die Tatsache, dass der Masterplan zu Stande gekommen ist, würde ich bereits als einen grossen Schritt nach vorne bezeichnen.

Was ist der Kitt, der die Partner zusammenhält? 

Wir haben entschieden, dass wir eine gemeinsame Meinung vertreten wollen. Sehr schnell ist es uns gelungen, in die richtigen Diskussionen einzusteigen und unseren spezifischen Standpunkt kundzutun.

Stadtwerke vertreten gewissermassen einen Multi-Energie-Standpunkt, der sich teilweise unterschiedet von einer branchenspezifischen Meinung, die entweder nur Strom, oder nur Gas beinhaltet. Mit unserem Standpunkt versuchen wird, Synergiemöglichkeiten aufzuzeigen und mehrere Bereiche zu adressieren.

Wo stehen Swisspower und die Swisspower Stadtwerke in 10 Jahren?

Ich wünsche mir, dass die Elemente, die ich vorhin erwähnt habe, bis in 10 Jahren gelebte Realität sind. Das würde bedeuten, dass Stadtwerke untereinander Innovationen austauschen, dass die smarte Infrastruktur aufgebaut ist und dass Prosumenten mit neuen Angeboten zufriedengestellt werden können. Mit anderen Worten,  wir Stadtwerke haben auf nationaler Ebene auch  eine politische Stimme, an der man nicht vorbei kommt und an die man idealerwiese als erstes denkt, wenn einem das Wort Energie in den Sinn kommt.

Zur Person

Daniel Schafer ist seit 2008 CEO bei Energie Wasser Bern. Er absolvierte an der EPFL ein Studium zum Elektroingenieur und arbeitete in verschiedenen Funktionen bei ABB Kraftwerke AG und Alstom, als Managing Director bei Hydro Projects Europe und als Geschäftsführer der Alstom Hydro AG.