Aufwertung von Fischlebensräumen in Biel

8. Juni 2017

Die drei Partnerorganisationen Ökofonds Taubenlochstrom des Energie Service Biel/Bienne (ESB), BKW-Ökofonds und kantonaler Renaturierungsfonds haben gemeinsam ein Projekt zur Aufwertung von Fischlebensräumen bei den drei Schüss-Armen in der Stadt Biel ausarbeiten lassen. Der lokale Ökofonds Taubenlochstrom des ESB hat dafür die operative Bauherrschaft übernommen.

Die drei Schüss-Arme in der Stadt Biel sind Lebensraum für verschiedene Fischarten, darunter die gefährdete Seeforelle und die Bachforelle. Beobachtungen von Fischern haben gezeigt, dass insbesondere die renaturierten Flussabschnitte in der Hauptschüss von den Forellen gerne als Laichplätze angenommen werden. Allerdings wurde auch erkannt, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit der Jungfische wegen fehlender Versteckmöglichkeiten reduziert ist. Deshalb haben die drei Partnerorganisationen Ökofonds Taubenlochstrom des Energie Service Biel/Bienne (ESB), BKW-Ökofonds und kantonaler Renaturierungsfonds gemeinsam ein Projekt zur Aufwertung von Fischlebensräumen in Hauptschüss, Biel-Schüss und Madretsch-Schüss ausarbeiten lassen. Der lokale Ökofonds Taubenlochstrom des ESB hat dafür die operative Bauherrschaft übernommen. Die ganze Planung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Syndicat d’aménagement des eaux de la Suze (SAES) und dem Tiefbauamt des Kantons Bern, hier vertreten durch den Oberingenieurkreis III in Biel.

Das Projekt hat im städtischen Gebiet von Biel neben den ökologischen Zielsetzungen auch eine Vielzahl von anderen Ansprüchen zu berücksichtigen. Von grösster Bedeutung war dabei die Einhaltung der Hochwasserschutzanforderungen, aber auch der vielfältigen Interessen der Anwohner. Daraus hat sich in einem langdauernden Planungsprozess schliesslich ein bewilligungsfähiges Aufwertungsprojekt entwickelt. Dieses sieht keine massiven, baulichen Eingriffe in das Flussgerinne vor. Vielmehr wird die Aufwertung für die Fische durch bescheidene, dezentrale Massnahmen im bestehenden Gerinne erreicht. Durch den Einbau von sogenannten Totholzfaschinen werden für die Fische Unterstände und Versteckmöglichkeiten angeboten. Fische nehmen diese einfachen Holz-Strukturen sehr gerne an. Totholzfaschinen sind Bündel von zusammengebundenen, trockenen Ästen. Diese Bündel weisen Durchmesser von 30-50 cm und eine Länge von maximal 2.50 m auf. Damit wird sichergestellt, dass sie sich unter Brückendurchgängen nicht verkeilen können, sollten sie bei einem Hochwasser jemals losgerissen und abgeschwemmt werden. Trockene Weidenäste werden gewählt, damit diese nicht austreiben und zu einer ungewollten Verringerung des Abflussquerschnitts führen. Für jede einzelne Einbaustelle von derartigen Faschinen wurde der Einfluss auf die Hochwassersicherheit berechnet und im Bauprojekt nur dort Einbauten vorgesehen, wo dies aus Sicht der Hochwassersicherheit vertretbar ist. Die zuständige Baubewilligungsbehörde hat deshalb anerkannt, dass die geplante Aufwertung von Fischlebensräumen in den drei Schüss-Armen zu keiner Verschlechterung der Hochwassersicherheit führen wird.

In Kenntnis der hochwassertechnischen und denkmalpflegerischen Anforderungen wurden folgende Schüss-Abschnitte für die Aufwertungsmassnahmen ausgewählt und bewilligt:

    • Hauptschüss: 18 Totholzfaschinen im obersten Abschnitt von der Taubenlochschlucht bis zur Schüssinsel
    • Biel-Schüss: 12 Einbauten im Abschnitt von der Spitalstrasse bis zur Viaduktstrasse, 10 Totholzholzfaschinen am rechten Ufer sowie 2 Unterstände aus Jurakalkstein am linken Ufer
    • Madretsch-Schüss: 31 Totholzfaschinen im oberen Abschnitt vom Hauserwehr bis zur Mattenstrasse

Die Aufwertungen in der Hauptschüss sind auf die umfangreichen Massnahmen des Projekts «Schüssinsel»zu Gunsten der Fische im Abschnitt zwischen der Mühlestrasse und der Gottstattstrasse abgestimmt, so dass sich die beiden Projekte in idealer Weise zu einem Gesamtkonzept für dieFischförderung ergänzen.

Die Bevölkerung wird durch die Bautätigkeit kaum beeinträchtigt werden. Baulärm ist bei den geringenBaumassnahmen nicht zu erwarten. Die Erschliessung der Einbaustellen ist so geplant, dass keine Verkehrsbehinderungen entstehen werden. Einzig in der Alleestrasse wird eine kurzzeitige Sperrung voneinigen Parkplätzen entlang des Ufers erforderlich sein.

Die Holzfaschinen werden einem natürlichen Zerfall überlassen. Dies ist aus ökologischer Sicht sinnvoll, da dadurch neue Nischen für Jungfische entstehen. Eingegriffen wird nur, wenn aus irgendwelchen Gründen ein Sicherheitsrisiko entstehen würde. Allfällige Verschmutzungen durch angespülten Zivilisationsmüll werden im Bedarfsfall periodisch entfernt.

Die Initianten sind überzeugt, mit den geplanten Massnahmen eine wertvolle Verbesserung der Fischlebensräume in der Schüss zu erreichen und hoffen auf eine positive Annahme durch die Fische und die Bevölkerung.

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