Erneuerung Konzession für Kraftwerk Aarau

12. Mai 2017

Wichtiger Moment für die regionale Wirtschaftsgeschichte: Nach Annahme der von den Kantonen Solothurn und Aargau erteilten neuen Konzession für das Wasserkraftwerk Aarau durch IBAarau wird das neue Konzessionsregime am 1. Januar 2018 aufleben und für 68 Jahre Gültigkeit besitzen. Bei deutlichen Mehrwerten für die Natur kann in Zukunft die Vor-Ort-Gewinnung umweltfreundlicher, erneuerbarer Energie markant gesteigert werden. Das positive Ergebnis des über mehrere Jahre hinweg sorgfältig vorbereiteten Geschäfts bereitet allseits Freude.

Die bestehende Konzession für das Wasserkraftwerk Aarau stammt aus dem Jahr 1954. Das Kraftwerk selbst steht auf dem Gebiet der aargauischen Kantonshauptstadt Aarau. 18 Prozent der Staustrecke führen durch aargauisches Gebiet, 82 Prozent liegen jedoch im Kanton Solothurn, weshalb die Konzession wiederum von beiden Kantonen zu erteilen war. In Solothurn war Konzessionsbehörde der Kantonsrat, im Aargau der Regierungsrat. Mit Annahme der erneuerten Konzession durch IBAarau wird diese nun am 1. Januar 2018 aufleben und bis zum 31. Dezember 2085 Bestand haben. Der neuen Konzession liegt eine mehrjährige, äusserst sorgfältig durchgeführte Planung zugrunde. Die Konzessionsbedingungen und -auflagen sind zwischen der Gesuchstellerin, den die Konzession erteilenden Behörden, aber auch unter Mitwirkung der Bevölkerung und der relevanten NGOs in mehreren Entwicklungsschritten kooperativ erarbeitet worden. Das Kraftwerk Aarau und seine Umgebung werden im Lauf der kommenden Jahre ein neues Gesicht erhalten.

Im Interesse aller

Für IBAarau bedeutet die erneuerte Konzession vor allem die Möglichkeit, ihren Versorgungsauftrag auch in Zukunft mit dem Angebot von selbst erzeugtem Strom erfüllen zu können. Dabei erfolgt die Annahme der Konzession in einer für die Stromproduktion aus Wasserkraft durchaus schwierigen Marktsituation. Dazu Hans-Kaspar Scherrer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der IBAarau: «Für uns ist die Fortführung der Konzession vor allem ein strategischer Entscheid». IBAarau wolle, so Scherrer, auch die kommenden Generationen mit einem «möglichst hohen Anteil an vor Ort gewonnener, erneuerbarer eigener Energie» versorgen können. Für die Kantone Aargau und Solothurn bedeutet die erneuerte Konzession demgegenüber vor allem die Verwirklichung eigener Energiestrategien. Für Martin Würsten, Chef des Amts für Umwelt des Kantons Solothurn, der das interkantonale Projektteam leitete, ist vor allem wichtig, «dass bei deutlichen Mehrwerten für die Natur auch deutlich mehr Energie gewonnen werden kann». Aber auch der Kanton Aargau legt ein klares Bekenntnis zugunsten des Ausbaus der Wasserkraftnutzung ab. Auch für Werner Leuthard, Leiter der Abteilung Energie im aargauischen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, ist die neue Konzession ein Meilenstein. Leuthard: «In der kantonalen Energiestrategie energieAARGAU aus dem Jahre 2015 stellt der Ausbau der erneuerbaren Energien ein Hauptziel dar. Dazu gehört insbesondere der Erhalt der bestehenden Wasserkraft. Und was für uns ebenfalls erfreulich ist: Eine Reihe von für die Stadt Aarau und die ganze Region wichtigen Hochwasserschutzmassnahmen rundet das Paket der Konzessionsbedingungen ab.»

«Wasserdichtes Projekt»

Jolanda Urech, Stadtpräsidentin von Aarau und in dieser Funktion auch Präsidentin des Verwaltungsrates der IBAarau AG, ist dankbar: «Für unsere Stadt und das umliegende Versorgungsgebiet der IBAarau bedeutet die erneuerte Konzession die Sicherheit, auch in Zukunft zu einem gewissen Teil energieautark zu sein», ist sie überzeugt. Bezugnehmend auf den Umstand, dass die Konzession erst wirksam werden konnte, nachdem das Aargauer Verwaltungsgericht das Projekt auf seine Gesetzeskonformität geprüft hatte, meint Urech: «Dass es kurz vor Schluss dann doch noch zu einem juristischen Scharmützel gekommen ist, hat vielleicht auch sein Gutes. Jetzt haben wir nämlich allesamt die Gewissheit, dass das Projekt nicht nur wunderbar, sondern auch in rechtlicher Hinsicht absolut ²wasserdicht² ist».

Schlüsselfaktor für das wirtschaftliche Gedeihen der Region

Wie die Geschichte der meisten grösseren Schweizer Flusskraftwerke reicht auch diejenige des Kraftwerks Aarau ins vorletzte Jahrhundert zurück, zu den Anfängen der Industrialisierung der Schweiz. Ganz zu Beginn stand ein grosser Eingriff in die Natur, indem 1894 der Aarelauf auf Höhe des heutigen Wehrs verzweigt und zur Hauptsache in ein künstlich geschaffenes Flussbett geleitet wurde, an dessen Ende zuerst das Zementwerk Fleiner, dann nach der Elektrifizierung das Kraftwerk Aarau stand und noch heute steht. In Aarau wird das Wasser – heute mit 11 Maschinen – turbiniert, um sodann wieder dem natürlichen Flussbett zugeführt zu werden und in diesem weiterzufliessen. Die vor Ort gewonnene Elektrizität war von Anbeginn an einer der Schlüsselfaktoren für das wirtschaftliche Aufblühen und Gedeihen der modernen Stadt Aarau und ihres Umlandes. Die derzeit geltende Konzession wurde von den Kantonen Aargau und Solothurn im Jahr 1954 erteilt. Bereits diese Konzession war von einem für die damalige Zeit ungewöhnlich hohem Bewusstsein der Umwelt gegenüber geprägt. Die heutige Landschaft entlang der Staustrecke geht im Wesentlichen auf die Bedingungen dieser Konzession zurück.

Erneuerte Konzession: Wirtschaft und Umwelt gehen Hand in Hand

Mit der erneuerten Konzession, die 2018 in Kraft treten und für 68 Jahre gelten wird, sind die Rahmenbedingungen für den Kraftwerksbetrieb nicht nur hinsichtlich der Umweltthematik den neuesten Erkenntnissen angepasst worden, sondern auch in Bezug auf die sich verändernden Bedürfnisse, die sich für die Bevölkerung aus der Beanspruchung des Raums entlang der Staustrecke als Naherholungsgebiet ergeben. Mit insgesamt rund 30 vorgesehenen Massnahmen zugunsten der Umwelt und mit einer ganzen Reihe von technischen Optimierungen konnte damit bei der Projektierung das, was üblicherweise zu Zielkonflikten führt, erfolgreich überwunden werden: Die Produktion von einheimischer, erneuerbarer Energie kann gesteigert werden, ohne dass dabei die Umwelt Schaden nähme – im Gegenteil. Neu zu schaffende, naturnahe Stillgewässer werden in Zukunft das Landschaftsbild entlang der Staustrecke prägen, dem Altlauf der Aare wird eine höhere Restwassermenge zugeführt, Fische erhalten neue, dem Stand der Technik angepasste Auf- und Abstiegshilfen – und trotzdem kann die Stromproduktion gesteigert werden. Das Kraftwerk Aarau versorgt heute rein rechnerisch rund 31’000 Haushalte mit Strom – in Zukunft sollen es bis zu 6’000 mehr werden. Die Realisierung von für die Stadt Aarau und die ganze Region wichtigen Hochwasserschutzmassnahmen rundet das Paket der Konzessionsbedingungen ab.

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