Standpunkt

In dieser Rubrik äussern sich Vertreter der Swisspower Stadtwerke zu aktuellen Themen. Die Beiträge fördern als Denkanstösse die energiepolitische Diskussion. Sie geben die persönliche Meinung der Autoren wieder.

«Die Senkung des Wasser­zinsmaximums ist ein Schritt in die richtige Richtung»

Der Bundesrat hat die Vernehmlassung zur Revision des Wasserrechtsgesetzes eröffnet, die kurzfristig eine Senkung des Wasserzinsmaximums und ab 2023 ein flexibleres Berechnungsmodell für den Wasserzins vorsieht. Wie Swisspower die Revision beurteilt, erklärt Jan Flückiger, Leiter Public Affairs

Die heutige Regelung für den Wasserzins muss 2020 durch eine neue abgelöst werden. Welche Teile des bisherigen Systems haben sich aus Sicht Swisspower bewährt? In welchen Bereichen besteht Handlungsbedarf?

Jan Flückiger: Unbestritten ist, dass Standortgemeinden und -kantone von Wasserkraftwerken für die Nutzung der Ressource Wasser abgegolten werden sollen. Gleichzeitig ist aber die Wasserkraftproduktion unter den aktuellen Marktbedingungen massiv unter Druck. Der Wasserzins ist in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen, während die Strommarktpreise in den vergangenen Jahren eingebrochen sind. Dabei hat die Politik nicht berücksichtigt, dass sich die höheren Kosten für den Wasserzins seit der Teilmarktöffnung von 2009 nicht mehr vollständig auf die Kunden überwälzen lassen. Damals gingen die Fachleute von weiter steigenden Marktpreisen aus. Nun braucht es eine Reform, die den veränderten Rahmenbedingungen gerecht wird.

Die Betreiber von Wasserkraftwerken fordern ein System, das die Marktentwicklung berücksichtigt. Wie sieht ein solches aus?

Das neue System, das nun auch vom Bundesrat vorgeschlagen wird, sieht einen fixen Anteil für die Abgeltung der Ressource Wasser vor. Daneben gibt es einen variablen Teil, der dann zum Zuge kommt, wenn die Marktpreise über den durchschnittlichen Gestehungskosten für die Stromproduktion aus der Wasserkraft liegen. Der variable Teil steigt dann proportional zu den Marktpreisen an (siehe Grafik). Die Standortgemeinden und -kan­tone werden also angemessen am Gewinn der Kraftwerksbetreiber beteiligt.

Grafik_System_Wasserzins

Wie beurteilt Swisspower dieses Modell?

Wir hätten es begrüsst, wenn der Bundesrat den Wechsel hin zu einem flexiblen Modell früher als 2023 vorgesehen hätte. Im Sinne eines Kompromisses können wir aber mit der Übergangsregelung leben. Die Senkung des heutigen Wasser­zinsmaximums von 110 CHF/kW auf 80 CHF/kW ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es braucht jedoch möglichst schnell Klarheit, wie das Modell ab 2023 aussehen soll. Nur so erhalten die Produzenten die nötige Sicherheit für Investitionen in neue Kraftwerke sowie in die Sanierung und Erweiterung bestehender Anlagen.

Kritiker aus den Berggebieten bemängeln, Städte und Kantone als Eigner der Produktionsunternehmen wollten sich mit den Änderungen auf Kosten der Berggebiete bereichern. Was sagen Sie zu diesem Argument?

Von einer Bereicherung kann unter den aktuellen Marktbedingungen sicher nicht die Rede sein. Es geht vielmehr darum, einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen der Berggebiete und jenen der Stromproduzenten und -konsumen­ten zu finden. Denn die Wasserkraft trägt wesentlich zur Versorgungssicherheit und somit zum Gemeinwohl in der Schweiz bei. Die Bevölkerung hat deutlich Ja gesagt zur Energiestrategie 2050. Für deren Gelingen sind die langfristige Sicherstellung und der Ausbau der Stromproduktion aus Wasserkraft unabdingbar. Es ist auch im Interesse der heutigen Standortgemeinden und -kantone, dass die dortige Produktion langfristig gesichert wird.

Das Parlament wird sich ab 2018 mit dem Dossier befassen. Wie bringt sich Swisspower bei dieser Debatte ein?

Das beginnt schon jetzt, indem wir uns an der Vernehmlassung beteiligen. Parallel zu diesem formellen Weg führen wir persönliche Gespräche mit Vertretern der Verwaltung und des Parlaments. Zudem ist es wichtig, innerhalb von Swisspower frühzeitig über das künftige Marktdesign zu diskutieren, das im Parlament voraussichtlich zeitgleich mit dem neuen Modell zum Wasserzins behandelt wird. Die konsolidierte Position von Swiss­power sollte bereits vorliegen, wenn die politische Debatte dazu beginnt.

Seit dem 1. Juli vertreten Sie als Leiter Public Affairs die Interessen von Swisspower auf Stufe Bund und Kantone. Wie gehen Sie dabei vor?

Von zentraler Bedeutung sind einerseits die Kontakte mit Schlüsselpersonen aus Politik und Verwaltung und andererseits der Dialog innerhalb von Swisspower, um zu wichtigen Themen frühzeitig Positionen zu formulieren. Dadurch stärken wir unsere Rolle als gemeinsame Stimme der Stadtwerke. Zusammen mit bewährten Partnern wie etwa dem Städteverband wollen wir noch mehr Einfluss auf energiepolitische Gremien wie die Energiedirektorenkonferenz nehmen. Ich bin überzeugt, dass wir am meisten mitgestalten können, wenn wir uns bei neuen Themen möglichst früh einbringen. Das gilt auch auf Ebene der Kantone und der Städte. Swisspower will die Aktionäre bei energiepolitischen Diskussionen als Dienstleister unterstützen – sie etwa zum Vorgehen beraten und ihnen Argumentarien liefern. Zurzeit befinde ich mich auf einer kleinen Tour de Suisse. Ich stelle mich bei allen Swisspower Stadtwerken persönlich vor, lerne sie besser kennen und nehme ihre Anliegen und Erwartungen an meine Arbeit entgegen.

Ronny_Kaufmann

«Die Energiebranche sollte entscheidungs- und risikofreudiger werden»

Interview mit Ronny Kaufmann, CEO Swisspower AG, im energate messenger vom 17. März 2017

Herr Kaufmann, Swisspower verbindet aktuell 23 Schweizer Stadtwerke. Welches Potenzial hat Swisspower?
Bei uns sind Energieversorger willkommen, die unsere unternehmerische Vision teilen und in ihrer Unternehmensstrategie auf Geschäftsmodelle der erneuerbaren Energien, Sektorenkopplung, der Energieeffizienz und der Innovation setzen. Wir sind überzeugt, dass Querverbundunternehmen ideal geeignet sind, die Energiezukunft massgeblich zu prägen.

Wie wichtig sind Kooperationen für die Branche?
Der Energiesektor wird früher oder später eine Konsolidierung erfahren. Kleine und mittlere EVU werden kluge Kooperationen eingehen oder vom Markt verschwinden. Aber auch die grössten Schweizer Versorgungsunternehmen sind im europäischen Kontext nicht gross. Das Kooperationspotenzial von Swisspower wächst mit dem Leidensdruck der Branche.

Wie schätzen Sie die Konkurrenz ein, beispielsweise durch Trianel?
Initiativen, die Kooperationen im Energiesektor fördern, finde ich gut. Ich sehe Trianel nicht als Konkurrentin, sondern wünsche mir, dass auch Trianel Erfolg hat.

Die Energiebranche gilt als konservativ und gemächlich. Wie ist Ihre Sicht?
Die Branche müsste aus meiner Sicht entscheidungs- und risikofreudiger werden. Gerade jetzt ist das sehr wichtig, da das Kerngeschäft wegzubrechen droht. Öffentliche Unternehmen haben es allerdings an sich – teilweise sicher zu recht – dass sie gemächlich vorgehen. Wenn aber die Veränderungsfähigkeit nicht zunimmt, wird das eine oder andere Unternehmen hart landen.

Ist betreffend Dynamik ein Wandel feststellbar?
Die Richtung stimmt. Allerdings muss man als Führungsperson eines öffentlichen Unternehmens die eigenen Unternehmensentscheide in Antizipation der politischen Akzeptanz treffen. Die Politik ist bekanntlich kein Innovationsmotor und hat wenig bis keinen Risikoappetit. Wenn wir unser Energiesystem wirklich erfolgreich umbauen wollen, müssen wir deshalb auch die heutigen Governance-Strukturen anpassen.

Swisspower hat bereits 2012 den Masterplan 2050 verabschiedet. Wie schwierig war es, diesbezüglich eine gemeinsame Linie zu definieren?
Der Masterplan wurde bereits vor meiner Zeit bei Swisspower verabschiedet. Hier gilt es, den damaligen Verantwortungsträgern zu danken. Der Swisspower Masterplan ist keine Reaktion auf die Nuklearkatastrophe von Fukushima, sondern eine Konsequenz der Eigentümerstrategien der Swisspower Stadtwerke selbst. Die Städte verstehen sich seit jeher als progressive Kräfte. Mit dem Swisspower Masterplan 2050 dokumentieren wir, dass die Energiewende nicht nur wünschbar, sondern auch technisch machbar und nach wirtschaftlichen Grundsätzen finanzierbar ist.

Swisspower hat sich ebenfalls schon früh zur Energiestrategie 2050 bekannt. Weshalb?
Das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 ist ein guter Anfang, gibt die richtige Richtung vor und schafft sichere Rahmenbedingungen für Investitionen in erneuerbare Energien.

Aktuell wird vermehrt über eine Neugestaltung des Strommarktdesigns diskutiert. Was ist Ihre Meinung dazu?
Ich bin nicht glücklich darüber, wie diese Diskussion aktuell geführt wird. Die derzeitigen Schnellschüsse einiger Akteure in der Strombranche bringen aus meiner Sicht nichts. Ein künftiges Marktdesign muss festlegen, was die Schweiz unter Versorgungssicherheit versteht. Es sollte gleichzeitig nicht die erneuerbare Stromproduktion in der Schweiz weiter benachteiligen. Das ist heute leider der Fall. Wie auch immer ein neues Marktdesign aussehen wird; zumindest die Grundversorgung mit Elektrizität sollte aus Schweizer Kraftwerken gedeckt sein, die erneuerbaren Strom produzieren.

Swisspower spricht sich für die vollständige Marktliberalisierung aus. Gerade die Stadtwerke profitieren aber vom Status quo. Weshalb also eine Öffnung?
Die Swisspower Stadtwerke müssen sich vor dem Wettbewerb nicht verstecken. Sie sind gut aufgestellt. Ich finde auch, dass eine Kundin oder ein Kunde seinen Dienstleister selber auswählen können darf. Aber: Zum aktuellen Zeitpunkt wäre eine vollständige Marktliberalisierung volkswirtschaftlicher Unsinn. Denn so was wie einen freien Markt gibt es heute überhaupt nicht. Eine allfällig vollständige Marktliberalisierung in der Schweiz muss an ein Stromabkommen mit der EU geknüpft werden.

Swisspower hat kürzlich mit der Innovationsplattform ein neues Projekt lanciert. Welche weiteren Projekte sind in der Pipeline?
Swisspower Innovation ist ein Ideenlabor. Wir starten mit mindestens acht Swisspower Stadtwerken. Gemeinsam mit IBM, Siemens, ABB, der Migros, der EPFL und weiteren Partnern wollen wir neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen realisieren. Daneben haben wir zahlreiche Projekte in der Pipeline. Wir werden uns zum Beispiel an einer Entwicklungsgesellschaft beteiligen, die erneuerbares Gas produzieren soll. Zudem führen wir aktuell auch Gespräche mit Unternehmen und Organisationen über die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie im Kontext der dezentralen Energieversorgung der Zukunft.

Gas geniesst nicht gerade einen besonders guten Ruf. Zu recht?
Nein. Es ist einer der grössten Fehler der Energiepolitik, dass der Energieträger Gas in eine falsche Ecke gedrängt wird. Gerade mit dem begrüssenswerten Ausbau der volatilen Stromerzeugung mit Wind und Sonne wird das Gasnetz als saisonales Speichermedium eine ganz entscheidende Rolle einnehmen müssen. Leider wird die Power-to-Gas-Technologie regulatorisch immer noch benachteiligt. Wir setzen uns dafür ein, dass dies im Rahmen der Revision des Stromversorgungsgesetzes korrigiert wird.

Am 31. März findet zum ersten Mal der Schweizerische Stadtwerkekongress statt, den Swisspower mit Partnern organisiert. Weshalb?
Wir wollen mit dieser Erstdurchführung das Thema Energie in seiner ganzen Breite aufgreifen. Denn Städte sind die Innovationslabore der Energiewende. In urbanen Räumen lebt rund die Hälfte der Erdbevölkerung. Der grösste Teil des Abfalls fällt in Städten an. Kluge Mobilität, nachhaltige Raumplanung, smarte Wohnformen und intelligente Informations- und Kommunikationsvernetzung können in Städten entwickelt und ausprobiert werden. All dies managen heute unsere Stadtwerke. Mein Motiv für den Stadtwerkekongress war es, Menschen zusammenzubringen, um über diese Themen zu diskutierten. Wir haben deshalb den Stadtwerkekongress gemeinsam mit unseren Partnern und Sponsoren als exklusive Plattform konzipiert. Es gibt noch einige wenige Plätze. Es lohnt, dabei zu sein. Die Energiewende findet Stadt.

Ronny_Kaufmann

«Jetzt braucht es das Engagement der Swisspower Stadtwerke»

Im Gespräch mit Ronny Kaufmann, CEO Swisspower AG

Energiepolitisch begann das Jahr 2017 gleich mit einem Paukenschlag: Die Energiekommission des Nationalrats sprach sich im Januar einstimmig gegen das vom Bundesrat vorgeschlagene Klima- und Energielenkungssystem (KELS) aus. Was das für die Energiestrategie 2050 des Bundes bedeutet, welche wichtigen Entscheide 2017 sonst noch zu erwarten sind und welches die grössten aktuellen Baustellen in der Energiepolitik sind, erklärt Ronny Kaufmann, CEO der Swisspower AG.

Das KELS war als zweites Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 gedacht. Bleibt die Energiestrategie nun auf halber Strecke stehen?
Ronny Kaufmann: Nein. Das KELS hätte im Bundesparlament keine Chance auf eine Mehrheit gehabt. Deshalb war es richtig, die Notbremse zu ziehen. Tatsache bleibt allerdings, dass der Umbau des Energiesystems in der Schweiz nur dann gelingen kann, wenn die Politik kluge Anreize setzt, die den Energiekonsum wirksam lenken. Es wird deshalb ein Lenkungspaket brauchen. Ich hoffe, dass der Bundesrat beim nächsten Anlauf ein besseres Gespür für die Mehrheitsfähigkeit einer Vorlage zeigt.

«Was es jetzt in den Wochen vor der Abstimmung braucht, ist das Engagement der Swisspower Stadtwerke. Sie geniessen eine hohe Glaubwürdigkeit bei ihren Kundinnen und Kunden.»

Am 21. Mai stimmt die Bevölkerung über das Referendum zum Energiegesetz und damit übers erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 ab. Wie schätzen Sie die Chancen ein?
Das Referendum der SVP ist insofern gut, dass die Legitimation für ein Generationenprojekt wie der Umbau des Energiesystems mit einem Ja nicht weiter hinterfragt wird. Andererseits birgt dieses Referendum das Risiko des Scheiterns und damit eines langfristig unsicheren Rechtsrahmens. Das wäre Gift für die Investitionsbereitschaft. Ich engagiere mich persönlich im Vorstand der Allianz «Schweizer Wirtschaft für die Energiestrategie 2050». Was es jetzt in den Wochen vor der Abstimmung braucht, ist das Engagement der Swisspower Stadtwerke. Sie geniessen eine hohe Glaubwürdigkeit bei ihren Kundinnen und Kunden. Bundesrat und Parlament wähnten sich bei Abstimmungen zu oft auf der sicheren Gewinnerseite. Ich glaube, es ist noch alles offen. Das Motto heisst deshalb für mich: dranbleiben.

Welche weiteren energiepolitischen Weichenstellungen stehen aktuell an?
Als Nächstes entscheidet der Nationalrat über das Gesetz «Um- und Ausbau der Stromnetze», das der Ständerat bereits behandelt hat. Dabei wird auch über Art. 6 Abs. 5 des StromVG zu entscheiden sein. Denn die aktuelle Anwendung dieses Gesetzesartikels erschwert es Energieversorgern, in die erneuerbare Stromproduktion in der Schweiz zu investieren. Weitere wichtige Geschäfte 2017 sind die Totalrevision des CO2-Gesetzes, die Revision des StromVG und die Arbeiten für ein Gasversorgungsgesetz. Ebenso bedeutend: Verschiedene Kantone diskutieren über die Integration der MuKEn 2014 in ihre Energiegesetze.

Wo sehen Sie die grössten Baustellen der Energiepolitik?
Im aktuellen Marktumfeld muss die Politik erstens und dringender denn je festlegen, welche Produktions- und Speicherinfrastrukturen in der Schweiz als strategisch gelten sollen. Dabei ist auf erneuerbare Energie zu setzen. Die Politik muss zweitens einen technologieneutralen Gesetzesrahmen für Speicher definieren, der unsere Branche die Chancen der Netzkonvergenz zwischen dem Strom- und dem Gasnetz nutzen lässt. Power-to-Gas-Anwendungen dürfen nicht weiter diskriminiert werden. Drittens wird der Energiekunde von morgen einen Teil der benötigten Energie selbst produzieren oder direkt vom Nachbarn kaufen wollen. Dezentrale Produktion und Speicherung sowie die Transaktionen zwischen Prosumern müssen geregelt werden. Während Energieversorger neue Geschäftsmodelle entwickeln und Blockchain-Start-ups am Markt bereits Millionen kapitalisieren, weiss die Politik noch nicht, wie sie damit umgehen soll.

Ronny_Kaufmann

Zu viele Bälle in der Luft

Artikel von Ronny Kaufmann, CEO Swisspower AG, in der «Bilanz» vom 25. Februar 2017

Die Strombranche muss heute mit zu vielen Herausforderungen jonglieren. Die Politik sollte sich deshalb dringend auf ein paar Regeln einigen – und so ein paar Bälle aus dem Spiel nehmen.

Ich kenne CEOs von Stromversorgungsunternehmen, die nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand sagen, dass übermorgen im Kerngeschäft mit Strom und Gas kein Geld mehr zu verdienen sein werde. Wir brauchen neue Geschäftsmodelle, Innovationen – und wir brauchen einen verlässlicheren Rechtsrahmen. Denn heute müssen wir mit vielen Bällen gleichzeitig jonglieren; mit zu vielen. Die Politik muss dringend ein paar Bälle aus dem Spiel nehmen. Und zwar folgende:

Ball 1 – Versorgungssicherheit:
Das Kerngeschäft droht wegzubrechen. Bei den aktuellen Börsenpreisen verdienen Schweizer Stromproduzenten heute kein Geld mehr. Besserung ist nicht in Sicht. Die Produktion fossiler Energie ist immer noch viel zu attraktiv, der Ausstoss von CO2 zu billig. In einem solchen Umfeld muss die Politik festlegen, ob und welche Produktions- und Speicherinfrastrukturen in der Schweiz als strategisch gelten sollen. Dabei ist auf erneuerbare Energie zu setzen, und die Atomkraftwerke sind als das zu sehen, was sie sind: ein Auslaufmodell.

Ball 2 – Marktdesign:
Die Regulierungsbehörde ElCom setzt heute Art. 6 Abs. 5 des Stromversorgungsgesetzes so um, dass Stromversorger mit eigener Produktion in der Schweiz gegenüber reinen Stromhändlern benachteiligt sind. Das heisst, dass kaum noch ein Versorger hierzulande in die Produktion erneuerbarer Energie investieren wird. Das haben nun auch Bundesrat und Parlament erkannt. Es ist allen klar geworden, dass ein gesetzgeberisches Warten auf ein künftiges Marktdesign nicht genügt. Die Versorgung mit erneuerbarer Energie aus der Schweiz darf nicht benachteiligt bleiben. Es gilt, jetzt zu handeln.

Ball 3 – Energiestrategie:
Jedes erfolgreiche Land braucht eine gute Energiestrategie. Auch die Schweiz. Die SVP hat nun aber das Referendum gegen das erste Massnahmenpaket ergriffen. Das ist insofern gut, als die Legitimation für ein solches Generationenprojekt mit einem Ja am 21. Mai 2017 nicht weiter hinterfragt würde. Andererseits birgt dieses Referendum das Risiko des Scheiterns und damit eines langfristig unsicheren Rechtsrahmens. Das wäre Gift für die Investitionsbereitschaft.

Ball 4 – Stromabkommen:
Da herrscht bekanntlich seit Monaten definitiv Sendepause aufgrund der institutionellen Fragen zwischen der Schweiz und der EU. Auch hier haben andere politische Entscheide zum Verhältnis Schweiz-EU dem Energiesektor nicht gerade geholfen. Und das trotz der Tatsache, dass die Schweiz im Herzen Europas mit einem vollständig integrierten Strommarkt nur mit Schaden eine Insel bleiben kann.

Ball 5 – Energiespeicher:
Es gibt bis heute keine gesetzliche Definition, was ein Energiespeicher ist. Das musste sogar Bundespräsidentin Doris Leuthard einräumen. Im Rahmen der Revision des Stromversorgungsgesetzes muss endlich ein technologieneutraler Rahmen für Speicher definiert werden, der die Chancen der Netzkonvergenz zwischen dem Strom- und dem Gasnetz nutzen lässt. Power-to-Gas-Anwendungen dürfen nicht weiter diskriminiert werden.

Ball 6 – Digitalisierung:
Der Energiekunde von morgen ist nicht nur Konsument – sondern auch Produzent. Er wird einen Teil seines Energiekonsums selbst produzieren oder diesen direkt vom Nachbarn kaufen wollen. Dezentrale Produktion und Speicherung sowie die Transaktionen zwischen Prosumern müssen deshalb geregelt werden. Während die Blockchain-Community bereits eine Welt am Horizont heraufziehen sieht, in der es keine Energieversorger und Banken mehr geben wird, weiss die Politik noch nicht, wie sie damit umgehen soll.

Eric_Nussbaumer

«Wir sollten Klima- und Energiepakete schnüren»

Eric Nussbaumer, Leiter Kommunikation Swisspower

In der Herbstsession haben die eidgenössischen Räte das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 unter Dach und Fach gebracht. Nationalrat Eric Nussbaumer, Leiter Kommunikation von Swisspower, zieht Bilanz dazu.

Welche letzten Bereinigungen der Vorlage haben die Räte in der Herbstsession vorgenommen?
Eric Nussbaumer: Es gab noch fünf Differenzen zwischen dem Ständerat und dem Nationalrat. Der Ständerat hat sich dann mit Knurren dem Nationalrat angeschlossen. Umstritten war insbesondere, ob bei Ersatzneubauten und Gebäudesanierungen verstärkte steuerliche Abzüge möglich sein sollen. Damit hat das erste Massnahmenpaket nun auch noch einen steuerpolitischen Anreiz für energetisch bessere Gebäude erhalten.

Die ursprüngliche Vorlage des Bundesrats wurde vom Parlament stark verändert. Was ist von der angestrebten Energiewende noch übrig geblieben?
Vereinfacht gesagt sind wohl etwa 70 bis 80 Prozent noch drin. Aber natürlich wurden textliche Änderungen vorgenommen. Nicht mehr drin sind leider das Effizienzmodell für Energieversorgungsunternehmen und gleichzeitig wurde auch die Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien bereits zeitlich limitiert. Das sind zwei Änderungen, die eigentlich gegen das strategische Ziel 2050 gerichtet sind.

Wie fällt das Fazit zur beschlossenen Energiestrategie aus Sicht Swisspower aus?
Das Fazit ist dennoch positiv, denn die Stossrichtung entspricht den Bemühungen der Stadtwerke, mit einer verbesserten Energieeffizienz und mit mehr erneuerbaren Energien eine sichere und nachhaltige Versorgung zu gewährleisten.

Swisspower definierte zu Beginn der Debatte mehrere Forderungen, für die sie sich zusammen mit anderen Branchenverbänden stark machen wollte. Ist das gelungen?
Wir pochten vor allem auf die Schaffung von Rechtssicherheit. Der Umbau eines Energiesystems gelingt nur, wenn in der Umbauphase immer wieder rasch entschieden wird. Das hat das Parlament leider nicht geschafft. Die Beratungen gingen viel zu langsam vonstatten. Aber natürlich ist das auch ein Teil der politischen Auseinandersetzung. Wir können mit dem Erreichten leben, aber in einer nächsten Runde muss ein zusätzliches Massnahmenpaket die Möglichkeiten der Stadtwerke weiter stärken. Die Stadtwerke sind Akteure, die den Umbau des Energiesystems mittragen und daher auch einen verlässlichen Rechtsrahmen brauchen.

Welches sind die wichtigsten Neuerungen, die das erste Massnahmenpaket für die Swisspower Stadtwerke mit sich bringt?
Viele Neuerungen sind auch Fortführungen von bisherigen Massnahmen, aber in einem grösseren Umfang. Dazu zähle ich die Förderung von Anlagen, die Strom aus neuen erneuerbaren Energien produzieren, die Fortführung und Vertiefung des Gebäudesanierungsprogramms und alle Möglichkeiten im Bereich der Gerätevorschriften. Neu ist sicher auch, dass wir eine Basis gelegt haben für den geordneten Atomausstieg, indem keine neuen Reaktoren mehr bewilligt werden. Eine weitere Neuerung ist das Konzept einer Marktprämie, die auch der Grosswasserkraft dient. Persönlich bin ich der Meinung, dass dies ein wichtiges Instrument ist, welches wir für alle Erzeugungsanlagen aus inländischen erneuerbaren Energiequellen nutzen sollten. Die Prämie kann ungenügende Preissignale aus dem noch nicht perfekten Strommarkt ausgleichen.

Um die Ziele der Energiestrategie wie etwa die Senkung des Energieverbrauchs zu erreichen, braucht es auch das zweite Massnahmenpaket mit Lenkungsmassnahmen. Wie beurteilen Sie dessen Chancen?
Die Chancen stehen im Moment nicht gut, weil auch das Paket nicht gut konzipiert ist. Aber es ist richtig, wir brauchen ein zweites und wahrscheinlich bis 2050 auch noch ein drittes Massnahmenpaket. Künftig sollten wir eigentliche Klima- und Energiepakete schnüren, die dann auch auf die Klimaschutz- und Energieziele 2050 ausgerichtet sind. Wenn unser Land eine nachhaltigere Energieversorgung anstrebt, muss Klima- und Energiepolitik im nächsten Paket zusammengedacht werden.

Wie wird sich Swisspower für dieses zweite Massnahmenpaket engagieren?
Swisspower steht für die energiepolitischen Möglichkeiten der Stadtwerke. Darum werden wir in einem zweiten und dritten Massnahmenpaket immer darauf achten, dass die Akteure «Stadtwerke» nicht beschnitten oder zurückgedrängt werden. Gute Klima- und Energiepolitik gelingt nur mit den Städten und ihren Stadtwerken. In einem zweiten Paket muss für das Effizienzmodell der Stadtwerke und aller EVU eine faire gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Wir sind überzeugt, dass solche direkten Marktmodelle rasch Wirkung zeigen. Nach unserer Meinung sind sie am Markt durch die EVU schneller umsetzbar. Daneben wollen wir Lenkungsabgaben-Modelle nicht per se ausschliessen – sie müssen aber sehr sorgfältig geprüft werden.

Ronny_Kaufmann

«Die Energiestrategie ist eine gute Sache!»

Ronny Kaufmann

Interview mit Ronny Kaufmann, CEO Swisspower AG

Das erste Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050 wird immer konkreter. Wie beurteilen Sie die heutigen Beschlüsse des Nationalrates?

Es ist wichtig für den Energiesektor, dass bald wieder klare Rahmenbedingungen gelten. Die Energiestrategie wurde jetzt gut drei Jahre im Bundesparlament beraten. Das ist für ein Energieunternehmen, das in die Zukunft investieren will, sehr lange. Insofern bin ich froh, wenn das Parlament in der Sommersession dieses Jahr das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie verabschieden kann und danach niemand auf die Idee kommt, ein Referendum zu ergreifen. Das würde die Unsicherheit nur noch einmal unnötig verlängern. Für mich ist klar, dass es mit dem ersten Massnahmenpaket noch nicht getan sein wird. Der Umbau des Energiesystems Schweiz hinzu einer erneuerbaren Versorgung wird ohne weitere unternehmerische, politische und gesellschaftliche Anstrengungen nicht gelingen. Gerade die Herausforderungen um das Klima zu stabilisieren, werden auch in der Schweiz noch einmal deutlich zunehmen.

Die Energiestrategie 2050 will die Nutzung und Produktion von erneuerbaren Energien voranbringen und sie will auch die Effizienzverbesserung stärken. Bringt das neue Energiegesetz nun die richtigen Anreize für die Stadtwerke?

Teilweise ja. Das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 ist eine gute Sache. Ich denke da an die Förderung der erneuerbaren Energien oder an die CO2-Zielwerte für Fahrzeuge. Wir sind auf dem richtigen Weg. Leider wurden aber auch echte Chancen für mehr Gesamtenergieeffizienz verpasst. Denn Tatsache ist, dass das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in den städtischen Agglomerationen stattfindet. Wir wollen deshalb gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern urbaner Lebensräume Massnahmen realisieren, die zur effizienteren Stromnutzung beitragen. Das ist ein grosser Hebel in der weiteren Entwicklung des Energiekonsums. Vor diesem Hintergrund ist es für mich halt schon eine vertane Chance, dass nun das Parlament eine «Null-Lösung» in der Anreizregulierung für mehr Energieeffizienz beschlossen hat. Aber wir bleiben dran. Die neue Legislatur hat ja gerade erst begonnen…

Schweizer Grosswasserkraftwerke sollen sowohl bei der Erneuerung und auch beim Betrieb in ihrem Markterfolg unterstützt werden. Ist das die richtige Stossrichtung?

Ich kenne keine bessere Alternative. Denn die heimische Wasserkraft produziert heute aufgrund internationaler Marktverzerrungen drastisch über den Marktpreisen. Aktuell fehlen der Schweizer Grosswasserkraft so rund 450 Millionen Franken pro Jahr. National- und Ständerat haben den politischen Handlungsbedarf erkannt und haben im Energiegesetz (EnG) entsprechende Artikel vorgesehen. Dieses politische Signal ist begrüssenswert, da die Wasserkraft eine erneuerbare Energiequelle ist und mit fast 60% Anteil das eigentliche Rückgrat der Energieproduktion in der Schweiz darstellt. Ich bin froh, dass diese Systemrelevanz erkannt wurde. Ohne wettbewerbsfähige Wasserkraft gibt es in der Schweiz keinen Atomausstieg. Alle Szenarien des Bundesrates rechnen denn auch mit der Optimierung und dem Ausbau der Wasserkraft. Ohne Speicher – netzseitig beispielsweise neue Pumpspeicherkraftwerke, verbraucherseitig neue Power-to-Gas- oder Batterietechnologien – werden Wind und Sonne auch nur einen geringen Beitrag an die Versorgungssicherheit leisten können. Mit unserem topografischen USP in Europa, den Bergen, müssen wir auch weiterhin die Wasserkraft besonders im Auge behalten. Die Schweiz ist die Wasserburg und die Batterie Europas.

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Hans-Kaspar Scherrer im Interview

IBAarau_Hans-Kaspar_Scherrer

Die Online-Plattform moneycab.com sprach mit Hans-Kaspar Scherrer, CEO der IBAarau AG und VR-Präsident der Swisspower AG, zu verschiedenen aktuellen Themen der Energiebranche. Lesen Sie das Interview hier.

Ralph_Aichem

«Kauf, du Arsch!»

Ralph_Aichem
Ralph Aichem, Leiter Marketing und Vertrieb SH POWER

«Kauf, du Arsch!» war das Titelblatt 02/2014 des renommierten Wirtschaftsmagazins brand eins aus Deutschland mit dem Schwerpunkt «Die Kunst der Verführung». Ich selbst habe 18 Jahre in grossen Werbeagenturen für viele Marken gearbeitet und hätte den Kampf um das Interesse der Kunden nicht besser auf den Punkt bringen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Autos, Smartphones oder eben auch Energieeffizienz verkaufen möchte.

Unter den weltweit 50 grössten Marken ist kein Energieversorgungsunternehmen zu finden. Ein Imageproblem, das uns am Ende viel Geld kostet. Denn nur Marke macht Marge. Jetzt kommt das Argument «Strom ist Low Interest». Das wird so bleiben, wenn wir weiterhin fahrlässig mit dem besten Produkt der Welt umgehen – mit Energie.

Ich war 6 Jahre kreativ verantwortlich für Vodafone in Deutschland. Wir haben elektromagnetische Wellen verkauft, wie alle Mobilfunker. Wir haben es aber nie gesagt, weil es 95% aller Kunden nicht verstanden hätten. Deshalb haben wir die Wellen mit Inhalten emotional aufgeladen, natürlich wie alle im freien Markt. Orange, Swisscom, 02 – alles coole Marken. Obwohl sie nur unsichtbare und eventuell gesundheitsgefährdende elektromagnetische Wellen verkaufen. 80% unserer Kunden in Schaffhausen verstehen kWh nicht. Bei einer 2000-Watt-Gesellschaft hört es endgültig auf. Warum wollen wir Dinge verkaufen, die Kunden nicht verstehen? In einem freien Markt ist das undenkbar.

Was passiert? Da der Kunde nichts mit Kilowattstunden anfangen kann, reduziert er Energie auf das, was er versteht – den Preis. Für die EVUs heisst das, wir verlieren Marge. Wir sollten aufhören, Produkte zu verkaufen, die keiner versteht. Energie ist Lebensfreude, wie spannende TV-Unterhaltung, surfen im Internet, kochen, Musik hören … Nichts, aber auch gar nichts im Leben, was Freude macht, geht ohne unser Produkt! Leider geil. Andere Hersteller würden sich für diesen Vorteil die Zähne ausbeissen. Wir sollten unsere Vorteile ausspielen, bevor es ein Anderer tut – die Konkurrenz.

Für die Energieeffizienz heisst das, dass wir nicht den Verzicht verkaufen sollten, sondern doppelte Freude. Hier macht es uns die Automobilbranche seit Jahren perfekt vor: weniger Verbrauch – mehr Leistung. Bei einem A+ Fernseher ist es ebenso. Die Screens werden doppelt so gross und der Verbrauch sinkt um ein Vielfaches. Das bedeutet weniger Verbrauch und mehr Fernsehspass. Effizient sein ist eben geil! In der Werbesprache: «Haben Sie schon Kino zu Hause, oder schauen Sie immer noch in die Röhre? Kommen Sie vorbei, wir Energieversorger beraten Sie gerne und verschönern Ihr Leben.»

Martin Bretscher

Contracting erleichtert Energiewende

Martin Bretscher

Martin Bretscher, Leiter Contracting Energie Wasser Bern

Viele Städte und Gemeinden haben für den Wärmebereich Energierichtpläne erarbeitet. Ihr Ziel ist der Wechsel von fossilen auf erneuerbare Energieträger. Für die Umsetzung kommen nun die Energieversorger zum Zug – und zwar nicht nur bei der Wärmeverteilung, sondern auch bei der Produktion. Der Trend geht dabei klar zu leitungsgebundener Wärme. Längerfristig erscheint die Vision von Wärmeautobahnen, die komplett mit erneuerbaren Energien wie Erdwärme und Holz betrieben werden, durchaus realistisch.

Doch so lange können viele Hausbesitzer nicht warten. Steht die Sanierung ihrer Heizungsanlagen an, müssen sie sich rasch für eine Technologie entscheiden. Die Stadtwerke tun also gut daran, möglichst früh mit den Hausbesitzern in Kontakt zu treten und dann pro Gemeindegebiet oder Quartier eine Strategie zu definieren.

Hier kommt das Contracting ins Spiel. Es kann die Bedürfnisse der Hausbesitzer und die energiepolitischen Ziele in Einklang bringen. Ein gangbarer Weg sind oft Nahwärmeverbünde, die durch einen Contractor finanziert und, als Zwischenschritt bis zu den «grünen» Wärmeautobahnen, zumindest teilweise auch mit fossilen Energien betrieben werden.

Was weniger bekannt ist: Contracting kann auch die Energieeffizienz erhöhen, gerade bei bestehenden Heizsystemen. Häufig handelt es sich nämlich keineswegs um ineffiziente Anlagen; sie werden nur ineffizient betrieben. Und das ist den Eigentümern schlicht nicht bewusst.

Dieses Problem akzentuiert sich, weil die Technologie laufend Fortschritte macht und gleichzeitig immer mehr Know-how für die Betriebsführung erfordert. Darum wird das Betriebsführungscontracting wichtiger, bei dem der Contractor einen möglichst effizienten Betrieb garantiert. Diesem Potenzial wird zu wenig Beachtung geschenkt. Die meisten Contractingunternehmen konzentrieren sich nach wie vor auf Neubauten.

In die Lücke können die Stadtwerke springen – mit doppeltem Nutzen: Einerseits generieren sie Erträge in einem neuen Geschäftsfeld. Andererseits bauen sie eine starke Beziehung zu den Kunden auf und starten aus der Poleposition, wenn ein Heizungsersatz ansteht.

PAUL MARBACH

Kein Auslaufmodell

Paul Marbach, Geschäftsführer StWZ Energie AG

Zweifellos hat der Erdgas-Streit zwischen Russland und der Ukraine in den letzten Monaten dem Ansehen des Energieträgers geschadet. Erdgas wird plötzlich mit Abhängigkeit und Engpässen assoziiert – dies trotz der sicheren und breit abgestützten Versorgung in der Schweiz. Auf politischer Ebene könnte das den Reflex verstärken, vom Erdgas wegzukommen. Und dies ausgerechnet in einer Zeit, in der kantonale Energiestrategien und Richtpläne die künftige Bedeutung des Erdgases ohnehin schon beschränken wollen.

Selbstverständlich unterstützen auch wir das Ziel, den Schweizer Energiebedarf langfristig zu einem grossen Teil durch erneuerbare Energien zu decken. Doch auf dem Weg dorthin soll Erdgas nicht eine kleinere, sondern zunächst eher eine grössere Rolle spielen. Denn nach wie vor gilt: Jede moderne Gasheizung, die eine alte Ölheizung ersetzt, entlastet das Klima deutlich und das zu vertretbaren Kosten.

Noch besser sieht die Energiebilanz bei den Strom produzierenden Gasheizungen aus. Diese erreichen einen Wirkungsgrad von bis zu 95 Prozent. Deshalb hat die StWZ Energie AG kürzlich in zwei Zofinger Mehrfamilienhäusern eine solche Anlage realisiert. Mit dieser lässt sich im Vergleich zur herkömmlichen Energieversorgung mit Strom aus dem Netz und Wärme aus einem Heizkessel bis zu 30 Prozent Primärenergie einsparen. Zudem produzieren Anlagen dieser Art vor allem im Winter Strom, wenn die erneuerbaren Energiequellen weniger davon liefern. Auch wird der Strom dort verbraucht, wo er entsteht. So lässt sich auf längere Sicht Geld für den Ausbau des Übertragungsnetzes einsparen.

Solche Argumente müssen wir Stadtwerke den Politikern und Verwaltungsstellen noch stärker vor Augen führen. Die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile von Erdgas sind ihnen zu wenig bewusst. Beispielweise steht in der neuen Energiestrategie des Kantons Aargau, für welche gerade die Anhörung begonnen hat: «Wo keine Alternative aus erneuerbaren Energien vorhanden ist, ist Erdgas gegenüber anderen fossilen Energieträgern zu bevorzugen.» Dieses «Entweder-oder» greift aus meiner Sicht zu kurz. Denn Erdgas ist nicht nur ein Lückenbüsser für die erneuerbaren Energien, sondern kann sie massgeblich voranbringen. Stichworte dazu sind etwa Biogas, die Kombination von Gasheizungen mit Solaranlagen, Zweistoffheizungen Holz/Erdgas sowie künftig das synthetische Erdgas aus überschüssigem Windstrom – lauter Anwendungen, die die Energiewende unterstützen. Erdgas ist also noch längst kein Auslaufmodell.

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Employer Branding

Ivo_SchilligDr. Ivo Schillig, Unternehmensleiter Sankt Galler Stadtwerke

Vorausschauende Personalplanung bedeutet für die Sankt Galler Stadtwerke (sgsw), veränderte Rahmenbedingungen früh genug zu erkennen und rechtzeitig entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Denn einerseits möchten die sgsw weiterhin eine attraktive Arbeitgeberin auf dem Arbeitsmarkt bleiben, damit sie im Wettbewerb um gut ausgebildete Arbeitskräfte bestehen können. Und anderseits sollen sich qualifizierte Mitarbeitende derart mit dem Unternehmen identifizieren, dass die sgsw engagierte Fachkräfte längerfristig an sich binden können.

Um die Marktfähigkeit von Mitarbeitenden zu erhalten bzw. zu erhöhen, messen die sgsw der persönlichen Entwicklung aller Mitarbeitenden grosse Bedeutung zu und stellen ein hohes Fähigkeits- und Leistungsniveau mittels kontinuierlicher Aus- und Weiterbildung sicher.

Die fortschreitende Liberalisierung der Energiemärkte und die damit verbundenen Erwartungen von Politik, Bevölkerung, Wirtschaft, Mitarbeitenden und Märkten stellen in den kommenden Jahren laufend neue Anforderungen an die Mitarbeitenden. Die sgsw sehen deshalb eine besondere Herausforderung in der Kombination von Verwaltungsverständnis sowie unternehmerischem Denken und Handeln, worauf sich insbesondere Führungskräfte vorbereiten müssen.

Dafür haben die sgsw im Jahr 2009 in Zusammenarbeit mit der Universität St.Gallen (HSG) ein massgeschneidertes firmeninternes Managementprogramm sowie einen speziell auf Fachkräfte von Energieversorgungsunternehmen zugeschnittenen Lehrgang lanciert, den auch Externe belegen können. Und die sgsw bleiben am Ball, denn die Entwicklung schreitet so rasch voran, dass nur erfolgreich bleibt, wer kontinuierlich dazulernt.

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Intelligente Mobilität

Markus_BlaettlerMarkus Blättler, Direktor SWL Energie AG

Rund ein Drittel des Energieverbrauchs in der Schweiz geht aufs Konto der Mobilität – Tendenz steigend. In diesem Bereich sind dringend Massnahmen gefragt, wenn wir unsere CO2-Ziele erreichen wollen. Oft wird dabei die Elektromobilität als Problemlöser genannt. Meine Meinung dazu: Ja, aber…

Erfreulich ist vor allem der Vormarsch der Elektrovelos und -roller. Sie haben ein grosses Potenzial, Autokilometer zu ersetzen und so den CO2-Ausstoss deutlich zu reduzieren. Auch Elektroautos nutzen die Energie sehr effizient. Die Problematik von Stau und Parkplatznot gerade in den grossen Städten lösen sie aber nicht. Zudem eignen sie sich wegen der beschränkten Reichweite noch nicht für jeden Einsatzzweck optimal.

Elektroautos stellen durchaus eine Möglichkeit dar, umweltschonender mobil zu sein – aber nicht die einzige. Beim Autokauf lohnt es sich mehr denn je, sich zu informieren und verschiedene Antriebstechnologien zu vergleichen. Zudem gilt auch weiterhin: Wer der Umwelt etwas Gutes tun will, lässt das Auto ab und zu stehen.

Seit es Erdgas- und moderne Elektrofahrzeuge gibt, beschäftigt auch uns Energieversorger das Thema Mobilität. Zu Autoverkäufern werden wir natürlich nicht. Doch auf unsere Beratung zu den alternativen Antrieben sollten die Kunden zählen können.

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